Die Einsamkeit der Alleinerziehenden

Das Leben als Alleinerziehende kann ganz schön einsam sein. Und erschöpfend. Warum das so ist und warum ich mir lange nicht erlaubt habe, auf meine Bedürfnisse zu hören, liest du in diesem Beitrag. 

Es war mal wieder soweit. Ich brach einfach mitten im Satz in Tränen aus. 

Ich hatte meinen Sohn aus der Kita geholt, wie so oft als einen der letzten. Es war für den Kleinen ein echt anstrengender Tag. Und für mich auch, weil ich mich aus dem letzten Meeting unter schuldbewusstem Blick zu meinem Chef früher rausstehlen musste, um zur Tram zu rennen. Die ganze Fahrt über saß ich mit bis zum Hals schlagenden Herzen auf glühend heißen Kohlen und hoffte, dass wir nicht im Feierabendverkehr stecken bleiben würden. Wodurch ich noch später zu meinem Sohn kommen würde. 


Als wir total erledigt nach Hause kamen, sah es aus wie bei Hempels unterm Klavier. Absolutes Chaos. Mein Sohn war hungrig und fing an zu weinen, wir waren aber noch gar nicht ausgezogen, und die Einkäufe musste ich erst von meinem Arm ablösen, so sich der Beutel durch die Jacke in meinen Arm geschnitten hatte.

Die Verantwortung wiegt am schwersten

Ich fing an zu heulen. Weil ich so kaputt war, dass ich einfach nicht wusste, was ich zuerst machen sollte. Ich heulte wie ein Schlosshund, weil ich mich so schuldig fühlte. Mein Sohn konnte doch nun wirklich nichts dafür, und musste wieder so lange in der Kita aushalten.

Ich weinte, weil ich mich so alleine fühlte. Seit Jahren niemand, bei dem ich mich mal anlehnen konnte. Einfach mal zugeben, nicht weiter zu wissen. Einfach mal SEIN und nicht immer nur TUN.

Ich weinte, weil meine Nerven inzwischen chronisch blank lagen. Weil ich einfach nicht mehr konnte und mir der Silberstreif am Horizont fehlte.

Ich bin als alleinerziehende Mama natürlich daran gewöhnt, alles alleine schultern zu müssen. Neben dem Vollzeitjob und all den täglichen Erledigungen rund um Einkauf und Haushalt eben auch Themen wie Finanzen und Versicherungen, Altersvorsorge, Renovieren, Möbel zusammenbauen,  usw.. Und natürlich eben immer alles nacheinander.

Aber am schwersten wiegt die mentale Last der alleinigen Verantwortung.

Die Sorgen um den Lebensunterhalt. Die permanente Frage danach, was das Beste für das Kind ist. Ob man alles richtig macht. Ob dieses oder jenes okay/ lebensbedrohlich/ übertrieben oder einfach normal ist. Ihr kennt das sicherlich: wenn man sich in seinen Gedanken verrennt, werden aus Mücken Elefanten, man dreht sich im Kreis, alles wird größer und schlimmer. Vor allem nachts, wenn es dunkel ist. Es fehlt der Austausch mit einem anderen Erwachsenen, um die Dinge wieder gerade zu rücken und in einem anderen Licht zu sehen.

Mir hat dieser Ausgleich, dieses Geraderücken und Beraten mit einem Partner vor allem am Anfang gefehlt. Hat mich manchmal glauben lassen, dass ich das alles doch nicht schaffe… Du kommst alleine mit deinem frisch geborenen Baby nach Hause. Kein „Herzlich willkommen“, keiner da, der sich mit dir freut. 

Außerdem hatte ich natürlich keine Ahnung von Kindern, vom Stillen, von dem, was normal ist und was nicht. Ich konnte niemanden fragen: „Du, meinst du, das ist okay oder stimmt hier was nicht?“ Es gibt eine Million erste Male. Dinge, die ich noch nie getan habe und einfach nur so gut wie möglich machen konnte. Für eine bis unter die Hutschnur mit Hormonen vollgepumpte, frischgebackene Mama ist das eine extrem emotionale Achterbahnfahrt… 

Inzwischen waren wir natürlich ein gutes Team, mein Sohn und ich. Und dennoch hat mich die Verzweiflung oft bis ins Mark erschüttert. Und dies war mal wieder so ein Moment.

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Die Pandemie führte noch weiter in die Einsamkeit

Dazu kommt, dass uns die inzwischen schon so lange andauernde Pandemie natürlich genauso belastet wie andere Familien. Wir haben uns weitestgehend an „social distancing“ gehalten. In die Kita geht mein Sohn zwar, aber Freunde haben wir darüber hinaus selten getroffen. 

Ich habe monatelanges Home Office hinter mir. Der Laptop steht auf dem Esstisch. Wenn ich meinen Teil des Essens reingeschlungen habe, rutsche ich einen Platz weiter und arbeite. Gesund ist das nicht. 

Auch private Kontakte laufen hauptsächlich digital. Ich sitze also wirklich sehr oft sehr einsam zuhause. 

Natürlich bin ich nicht wirklich allein, ich habe meinen Sohn. Und natürlich bin ich von Herzen froh darüber, dass ich ihn habe! Er ist ein ganz toller kleiner Kerl, wir lachen oft und ich bin über jeden Moment glücklich, in dem wir zusammen Kuscheln und Knuddeln. Ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht mit einem Erwachsenen ist aber etwas anderes. Eine Umarmung meiner besten Freundin, zusammen lachen und klönen bei einem Gläschen Wein. Über die Kinder reden, über Probleme, einfach über das Leben. Mit jemandem Reden ohne den verzerrten Ton aus dem Laptop oder Handy – das fehlt mir.

Ich habe mir sehr lange nicht erlaubt, mir eigene Bedürfnisse zuzugestehen. Mir zu erlauben, einfach mal ich zu sein und nicht immer nur Mutter. Das fiel mir sehr schwer, dann ich hatte mir meinen Weg ja bewusst so ausgesucht. 

Auch wenn ich natürlich nur ungefähr absehen konnte, was es heißt, alleinerziehend zu sein. Niemand kann eine Situation nachempfinden – bis man selbst wirklich drin steckt. 

Die Verantwortung für alles und das rund um die Uhr… Das ist wahnsinnig kräftezehrend. Leider reißt als Ergebnis dieser Belastung öfter mal der Geduldsfaden. Was den Kreislauf aus Schuld und Scham und Erschöpfung nur beschleunigt, denn natürlich will ich nicht permanent mit meinem Kind meckern und schimpfen. Ich bin die Erwachsene, der Knirps kann gar nix dafür. Aber ich bin auch nur ein Mensch, ich kann oft einfach nicht mehr, und ich bin unendlich erschöpft.

Wenn ich den Junior abends ins Bett bringe, bin ich so erledigt, dass ich oft mit ihm einschlafe und mich kaum wieder aufrappeln kann. Muss und will ich aber, weil nun erst die wenige Zeit beginnt, in der ich einfach mal meine Ruhe habe. Dass ich diese Zeit zu großen Teilen mit zumindest rudimentärem Ordnen der Chaosbude verbringe, ist schon fast egal. Ich höre nebenbei Podcasts und versuche, mich davon abzulenken, dass ich jetzt viel lieber mit einem lieben Menschen auf dem Sofa sitzen und meine Sorgen ausschütten möchte.

Und es ist die Zeit, in der ich einfach mal Heulen kann, ohne dass sich mein Sohn Sorgen macht, was denn mit mir los ist. Und das muss leider im Moment auch öfter mal sein……...

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2 Comments

  1. Alleinerziehende 27. Februar 2022 at 16:42

    danke für den liebevollen Artikel! ich bin selber eine alleinerziehende Mama und ich muss sagen, du sprichst mir aus dem Herzen! Gerade am Abend fühl man sich als Alleinerziehende sehr häufig einsam. Aber lieber einsam, als den falschen Partner sage ich immer…

    LG,
    Franzi

    Reply
    1. Katrin Förster 3. März 2022 at 13:25

      Vielen lieben Dank für eine Worte, Franzi. Es freut mich sehr, dass du dich im Artikel wiederfindest! Und du hast absolut recht: lieber alleine als den falschen Partner… Alles Gute dir!

      Liebe Grüße,
      Katrin

      Reply

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