Mein Weg zum Wunschkind – Die Vorgeschichte

Es ist wohl die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird: Wie kommt man überhaupt auf die Idee, alleine Mama werden zu wollen?

In dieser Frage steckt auch schon die erste Krux. Von WOLLEN kann erst mal keine Rede sein. Wenn ich es mir hätte aussuchen können, hätte ich ziemlich selbstverständlich auch den „klassischen“ Weg gewählt: einen tollen Partner, der mich auf Händen trägt, der mir vor romantischem Sonnenuntergang am Meer auf Knien einen Heiratsantrag macht, Traumhochzeit mit allem Pipapo, 9 Monate später lächelnd das gemeinsame Kind gebären und dann mit ebendiesem Kind, gerne auch weiteren, dem treuen Ehemann sowie ein paar süßen, pflegeleichten Haustierchen im Eigenheim glücklich bis ans Ende aller Tage vor sich hin leben. So ähnlich jedenfalls. Offensichtlich ist es aber nicht so gekommen. Das nennt man dann wohl Leben…

Kein glückliches Händchen mit dem starken Geschlecht

Zunächst mal gab es nach meinem allerersten Freund, mit dem ich so um die 2 Jahre zusammen war, keine längere, richtige Beziehung mehr. Könnte ich jetzt natürlich alles auf die Typen schieben und mache ich zum Teil insgeheim auch, aber ich hab‘ sie mir ja irgendwie auch ausgesucht und dabei halt kein besonders glückliches Händchen bewiesen. Zum Beispiel hing ich in den biologisch so wichtigen Jahren zwischen Anfang/Mitte 20 und Anfang 30 in einer emotionalen Endlosschleife mit meinem „besten Freund“ fest.… Das wechselte zwischen Freundschaft, Freundschaft Plus und allen emotionalen Schattierungen munter hin und her, aber da ich mir sicher war, dass wir füreinander bestimmt sind, wartete ich aufs Happy End. Es gab natürlich keins. Andererseits habe ich in diesen Jahren, das muss ich mir leider ebenfalls eingestehen, aus Oberflächlichkeit und Ignoranz den einen oder anderen Kandidaten ziehen lassen, der diese Missachtung sicherlich nicht verdient hat. Hinterher ist man immer schlauer….

Die Jahre vergingen, es gab neue Kandidaten, die meinerseits hoffnungsvoll auf ihre Eignung als Vater meiner zukünftigen Kinder getestet wurden, aber irgendwas war immer. Nicht, das ich die Herren immer mit fliegenden Fahnen verlassen hätte! Ne, es war oft genug umgekehrt. Irgendwas passte einfach nicht..

Die biologische Uhr begann lauter zu ticken und es stand für mich außer Frage, dass ich Familie wollte. Ich verzweifelte immer mehr, erst unbewusst, dann bewusst. Ich hasste es, auf den immer gesetzter werdenden Freunde-Grillfesten und Geburtstagspicknicks die einzige ohne Mann, die einzige ohne Kinder zu sein. Und irgendwann hatte ich echt keine Lust mehr, mir anzuhören, dass das ja gar keiner verstehen könnte, warum ausgerechnet ich keinen abkriege. Und sagte unter Vorwänden ab.

Mitte/Ende 30 klappte es tatsächlich noch ganze zwei, drei Mal mit dem Verlieben, aber ehrlicherweise blieb ich in dieser Phase zumindest zum Teil bei Männern kleben, bei denen sich ohne das laute Uhrenticken unsere Wege wohl besser früher wieder getrennt hätten. Das hätte mir einiges an Liebeskummer erspart.

 

 

Berufsjugendliche Partymaus

Abgesehen von meiner emotionalen Achterbahnfahrt in diesen knapp 20 Jahren kam erschwerend hinzu, dass ich in meinem Freundeskreis immer schon diejenige war, die mit am meisten von allen gearbeitet hat. Das ist ebenfalls ein hausgemachtes Ding, ich arbeite gerne, wenn der Job Spaß macht, ich bin gewissenhaft und kreativ und mir fällt immer noch was ein, was man umsetzen könnte. Und ich hab permanent Ideen, was ich gern lernen und machen würde. Nach einer Ausbildung und kurzer Zeit im Job habe ich doch noch studiert, was die Familienplanung bewusst auf mindestens die mittleren 30er Jahre verschob, wollte ich nicht mitten im Studium bzw. im ersten Job danach damit loslegen. Aber ich dachte mir, dass noch sehr viel Wasser den Rhein runter fließt, bis das für mich relevant wird. Nach dem Studium bin ich dann in einer Branche gelandet, in der ich dazu verdammt war, sowas wie eine „Berufsjugendliche“ zu sein…. Meine Kollegen waren auch meine Freunde, wir arbeiteten super viel und intensiv und lange, wir gingen oft zusammen aus und feierten wirklich legendär – kurzum: ich lebte in einer Hipster-Blase. Und währenddessen dateten meine Freundinnen im echten Leben ihre zukünftigen Ehemänner, bekamen Kinder und wunderten sich auf den schon erwähnten Grillfesten und Picknicks, warum ich Single bin.

Der Endspurt oder: das Ende des Grauens

Mit Ende 30 bin ich dann nochmal umgezogen (ach so, häufige Wohnortwechsel wären da auch noch  zu erwähnen)…. Zurück nach Berlin, in die alte Heimat – letzter Versuch, über Dating-Plattformen doch noch den Mr. Right zu finden, den ich sofort so vom Hocker haue, dass er sich nur mit mir Kinder vorstellen kann und die Herausforderung trotz Zeitdruck annimmt. Tja, war auch nicht so erfolgreich. Aber über diese Phase muss ich nochmal separat schreiben, da könnte ich ein ganzes Buch mit zumindest im Nachhinein lustigen Anekdoten füllen…..

Und dann war es meine Frauenärztin, die in mir das gedankliche Samenkorn legte: „Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, alleine ein Kind zu bekommen?“. Äh..what? Okay…. also… das muss ich jetzt mal kurz sacken lassen, dachte ich mir. Und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn man eine möglicherweise lebensverändernde Idee erst mal gehört hat, dann arbeitet diese in einem weiter. Ob man da nun bewusst drüber nachdenkt oder nicht. Und ich denke tatsächlich gerne und viel nach, also hab ich erst mal eine Weile selber versucht, daran rumzudenken. Ich habe vor allem erstmal in mich rein gehorcht, ob ich wirklich so dringend ein Kind will, dass ich es auch allein probieren würde. Das war allerdings ein sehr schnelles und sehr lautes JA in mir. Bevor ich aber über das WIE weiterdachte, habe ich  – rationale Denkerin, die ich bin – zunächst mal sehr intensiv das WARUM hinterfragt.

Wahrscheinlich helfen an dieser Stelle die Hormone und die Evolution, und was da nicht alles mitspielt, aber ich fand die Vorstellung so traurig, dass ich eines Tages von dieser Erde gehe und nichts von WIRKLICHEM Wert hinterlasse… Ein Kind zu haben, die eigenen Gene weiterzugeben, Werte zu vermitteln und vielleicht ein kleines Stück die Welt zu verändern (weil natürlich der eigene Nachwuchs mal jemand ganz wichtiges und kluges wird), das war ein Teil der Motivation. Aber eben auch all das fühlen, was das Erlebnis Schwangerschaft und Geburt zu einem so einzigartigen Ereignis macht. Fühlen, wie sich das Kind im Bauch bewegt, zu sehen, wie es wächst und der Bauch immer dicker wird, darauf angesprochen zu werden, die Spannung, wenn die Geburt immer näher rückt und man sich fragt: wie sieht es wohl aus? Ja, auch die Geburt zu erleben, zu WISSEN, wie sich das anfühlt… Und dann natürlich, das eigene Kind in den Armen zu halten, zu spüren, wie sein Herz schlägt, sein erstes Schreien zu hören…. Das alles stellte ich mir vor, und ich wollte unbedingt zumindest probieren, ob es auf diesem Wege klappt. Ich wusste, wenn ich die letzten paar Jahre, in denen es biologisch überhaupt noch möglich wäre, schwanger zu werden, ungenutzt verstreichen lassen würde, dann würde ich mich eines Tages fragen: „Was wäre gewesen, wenn ich es probiert hätte? Hätte es geklappt? Hätte ich ein Kind? Wäre es ein Junge, ein Mädchen, was hätte es von mir geerbt? Wie hätte es ich ANGEFÜHLT??“ Keine Frage, ich wollte es probieren!!! Und da war dann also auch das WOLLEN, das ich eingangs erwähnte. Bevor ich gar nicht Mama werde, wollte ich es allein probieren.

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